Transkultur – Projekt: Somalischer Kulturverein Mandeq e.V.

Das so wichtige Thema der Gleichberechtigung bewegt auch die Frauen in der somalischen Community in Düren. Im Rahmen der Projektreihe möchten sie Einblicke gewähren in ihre Gedanken- und Lebenswelt.

In einer Power Point - Präsentation veranschaulichen Sarah Egal und Winne Simon (Integrationsagentur der Evang. Gemeinde) einige Grundgedanken und Ideen zum Thema, stellen einige Grundelemente des Zusammenlebens in der  somalischen wie auch der deutschen Gesellschaft vor.

Da sehr vielen Vereinsfrauen das Thema der Bildung am Herzen liegt, skizziert Sarah, aufbauend auf ihrer Ausbildung als “Brückenbauerin“ auch das Schulsystem in Deutschland.

So ist, nach einer Vorstellungsrunde,  der Boden bereitet für eine sich anschließende Diskussion; mit fast dreieinhalb Stunden dauert sie viel länger als geplant: Alle sind hellwach und temperamentvoll bei der Sache.

Dreh- und Angelpunkt einer jeden Diskussion zu emanzipatorischen Bestrebungen ist natürlich die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen im öffentlichen und im Berufsleben, im Erziehungswesen und in der Bildungsarbeit.

In Deutschland ist es das AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz, 2006), welches die Benachteiligung u.a. im Hinblick auf das Geschlecht untersagt.

Sarah verweist auf den Umstand, dass Frauen in Somalia im öffentlichen Leben einen wichtigen Platz haben, ihr Beschäftigungsstand vielleicht sogar höher als der in Deutschland ist.

Es wird lebhaft diskutiert, wie denn verbriefte Rechte auch tatsächlich in der Lebensrealität und in der Praxis umgesetzt werden.

Gleichberechtigung bedeutet gerade für Eingewanderte nicht immer Gerechtigkeit, sind sie doch in ihren Startchancen in vielerlei Hinsicht strukturell benachteiligt. Sie benötigen an manchen Stellen zusätzliche Unterstützung. Dennoch gilt in der Frauenarbeit des Vereins der Grundsatz: uu gargar walalkaga bahan, was bedeutet  sich selber helfen.

Eine lebhafte Diskussion entzündet sich an der Frage, warum Frauen mit Kopftuch gewisse Berufe (z. B das Richteramt) nicht ausüben dürfen, sie sich dadurch in ihrer freien Willensausübung eingeschränkt sehen. Die strikte Trennung von Kirche (Religion) und Staat im laizistischen Gemeinwesen steht diesem entgegen.

Hava Zaimi, selbst Kind einer Einwandererfamilie, langjährige Mitarbeiterin der Evang. Gemeinde in der  Sozial -und Migrationsberatung, im Migrantinnen Netzwerk/Goldrute e.V. und speziell auch in der Frauenarbeit, bringt ihre Expertise mit in die Diskussion ein.

Eindringich stellt sie einen eminent wichtigen Punkt heraus:

“Ihr seid die Mütter Eurer Söhne. Ihr erzieht sie, und es liegt also in Eurer Verantwortung, welche Rolle sie als Männer später gegenüber den Frauen einnehmen und einnehmen wollen!“

Männer müssen mit ins Boot geholt werden, um tatsächlich eine Veränderung in festgefahrenen Rollen zu bewirken.

Eine Teilnehmerin, Naima, schlägt vor, dass im Fortgang des Projekts deswegen auch eine reine Männergruppe des Vereins zu einem Treffen eingeladen werden sollte; vielleicht gelingt es ja, die Männer dafür zu sensibilisieren, dass es auch in ihrem Interesse liegt, dass Frauen sich gesellschaftlich engagieren, ihr Leben nicht nur auf Familie und Haushalt beschränkt ist.

Zurück